Freepoc

freEPOC: Kostenlose Software für Psion-Handhelds im Überblick

freEPOC: Kostenlose Software für Psion-Handhelds im Überblick

Ein Psion mit ausklappbarer Tastatur war für viele Nutzer ein kleines Büro für unterwegs: Termine verwalten, Texte schreiben, Tabellen bearbeiten und eigene Programme entwickeln – alles auf einem Gerät, das in die Jackentasche passte. Zusätzliche Software machte diese Handhelds noch vielseitiger. Das historische Projekt freEPOC bündelte kostenlose Anwendungen, die den Alltag mit EPOC erleichterten. Programme wie vCal, Macro5 und FLFinger zeigen, wie unterschiedlich diese Erweiterungen ausfallen konnten.

Wer einen alten Psion wieder in Betrieb nimmt, kann solche Helfer weiterhin sinnvoll einsetzen. Entscheidend sind die passende Programmversion, vollständige Installationsdateien und ein Blick in die damalige Dokumentation.

Was war freEPOC?

freEPOC entstand 1999 auf Initiative von Ewan Spence und Adrian Pemsel. Die Idee: hochwertige Software für Psion-Handhelds entwickeln und kostenlos veröffentlichen. Unter dem Namen, der „Free“ und „EPOC“ verbindet, schlossen sich mehrere Hobbyentwickler zusammen.

Das Projekt umfasste eigene Anwendungen und später auch Programme anderer Autoren, die dort weitergeführt wurden. Das Angebot reichte von Kalenderkonvertierung und Automatisierung über Dateiverwaltung bis zu Spielen und Werkzeugen für Entwickler.

Freeware bezeichnet dabei zunächst die kostenlose Nutzung. Ob zusätzlich Quellcode verfügbar ist und welche Rechte für Änderungen oder Weitergabe gelten, ergibt sich aus der Lizenz des jeweiligen Programms. Kostenlose Psion Freeware ist deshalb nicht automatisch quelloffene Software.

Drei bekannte Programme und ihre Einsatzgebiete

vCal: Kalenderdaten zwischen Systemen austauschen

Die eingebaute Agenda gehört zu den wichtigsten Anwendungen eines Psion. Wer über Jahre Termine gesammelt hat, möchte diese auch beim Wechsel auf ein anderes Gerät behalten. Hier setzt vCal an: Das Programm ermöglicht den Austausch zwischen EPOC-Agenda-Dateien und dem Kalenderformat vCalendar.

Typische Einsatzgebiete sind:

  • alte Termine für die Übernahme in ein anderes Kalenderprogramm exportieren;
  • Kalenderdaten aus einer passenden vCalendar-Datei importieren;
  • einen vorhandenen Terminbestand zusätzlich in einem Austauschformat sichern.

Dabei lohnt sich ein Test mit wenigen Einträgen. Prüfe insbesondere wiederkehrende Termine, Jahrestage und Erinnerungen anhand der Dokumentation deiner Version und des tatsächlichen Ergebnisses.

Auch das Zielformat verdient Aufmerksamkeit: Historische vCalendar-Dateien mit der Endung .vcs unterscheiden sich vom heute verbreiteten iCalendar-Format .ics. Eine moderne Kalenderanwendung muss den älteren Import ausdrücklich unterstützen oder eine vorherige Konvertierung erhalten.

Macro5: Tastenkürzel und wiederkehrende Abläufe

Macro5 geht auf Pascal Nicolas zurück und wurde im freEPOC-Umfeld unter anderem von Martin Guthrie weiterentwickelt. Es verbindet Makrofunktionen mit dem Wechsel zwischen Anwendungen, dem Start von Programmen und Dokumenten sowie der Anpassung von Tastenbelegungen.

Das passt besonders gut zur Arbeitsweise eines Psion: Wer viel über die Tastatur erledigt, kann häufige Aktionen auf selbst gewählte Tastenkombinationen legen. Statt jedes Mal durch Ordner zu navigieren, lässt sich beispielsweise ein oft benötigtes Dokument direkt aufrufen.

Makros können außerdem wiederkehrende Bedienabläufe vereinfachen. Für eigene Erweiterungen ist die auf Psion-Geräten verbreitete Programmiersprache OPL interessant. Welche Funktionen und Zusatzmodule verfügbar sind, hängt von der Macro5-Version ab.

Gerade bei Revo und den Farbgeräten sollte die Geräteunterstützung ausdrücklich geprüft werden: Sie wurde im Laufe der Entwicklung erweitert.

FLFinger: Finger-Abfragen und Ping

FLFinger, auch als FlFinger geschrieben, stammt von Dave Rushall. Es kombiniert einen Client für das historische Finger-Protokoll mit einer Ping-Funktion.

Finger konnte Informationen von einem Server abrufen, etwa Angaben zu Benutzerkonten oder bereitgestellte Statusmeldungen. Voraussetzung ist, dass der angesprochene Server diesen Dienst anbietet. Die damaligen Beispiele in alten Anleitungen müssen heute nicht mehr erreichbar sein.

Mit Ping lassen sich Erreichbarkeit und Antwortzeiten eines Netzwerkziels untersuchen. Damit ist FLFinger auch für Experimente mit historischer Netzwerktechnik interessant. Das Programm benötigt allerdings eine bereits eingerichtete Netzwerkverbindung auf dem Psion; es stellt den Internetzugang nicht selbst her.

Welche Psion-Geräte kommen infrage?

Bei historischer EPOC Software reicht der Herstellername als Kompatibilitätsangabe nicht aus. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen der älteren SIBO-Plattform mit EPOC16 und den späteren EPOC32-Geräten. Einen Überblick über diese Entwicklung bietet die Geschichte des Psion-Betriebssystems EPOC.

Gerätefamilie Plattform Worauf bei Zusatzsoftware achten?
Series 5 EPOC32, üblicherweise ER3 Unterstützung des älteren Betriebssystemstands prüfen
Series 5mx und 5mx PRO EPOC32, ER5 Passende Version und benötigte Erweiterungen beachten
Revo und Revo Plus EPOC32, ER5 Kleineres Display und fehlenden CompactFlash-Steckplatz berücksichtigen
Series 7 und klassisches netBook EPOC32, ER5 Unterstützung für Farbdisplay und größere Bildschirmfläche prüfen
Series 3, 3a, 3c, 3mx und Siena SIBO/EPOC16 Eigene Softwarefassungen erforderlich; EPOC32-Programme laufen hier nicht

Die Tabelle beschreibt Plattformen, keine pauschale Freigabe aller freEPOC-Anwendungen. Maßgeblich bleibt die Geräteliste des jeweiligen Programms.

Auch ähnlich klingende Modellnamen können täuschen: Das netBook Pro verwendet Windows CE und gehört nicht zur EPOC32-Plattform des klassischen netBook.

Historische Software installieren

Vorbereitung und Dateiübertragung

Sichere zuerst Dokumente, Agenda und vorhandene Einstellungen. Prüfe außerdem die Stromversorgung. Auf Geräten mit Datenspeicherung im RAM ist eine zuverlässige Versorgung besonders wichtig.

Bewahre das vollständige Downloadarchiv auf. Neben dem Programm können darin Anleitungen, Lizenztexte und erforderliche Zusatzmodule liegen. Ein ZIP-Archiv wird zunächst entpackt; die eigentliche Installationsdatei trägt häufig die Endung .sis.

Für die Übertragung kommen je nach Gerät infrage:

  • eine serielle Verbindung mit PsiWin;
  • eine vom Psion unterstützte CompactFlash-Karte;
  • Infrarot zwischen geeigneten Geräten.

PsiWin stammt aus einer älteren Windows-Generation. Die Nutzbarkeit auf einem heutigen Rechner hängt von Betriebssystem, Treibern und Schnittstellen ab. Ein älterer Rechner oder eine entsprechend eingerichtete virtuelle Maschine kann für den Transfer hilfreich sein.

SIS-Pakete und manuelle Installation

Ist der Installer vorhanden, lässt sich eine übertragene SIS-Datei direkt auf dem Psion öffnen. Alternativ erfolgt die Installation über „Hinzufügen/Entfernen“ in der Systemsteuerung oder über eine geeignete PsiWin-Version am PC.

Auf ER5-Geräten gehört die Installationsverwaltung zum System. Bei älteren EPOC-Versionen kann eine zusätzliche Installer-Komponente nötig sein.

Enthält ein Paket keine SIS-Datei, befolge die mitgelieferte Anleitung zur manuellen Installation. Einfach alle Dateien in einen beliebigen Ordner zu kopieren, genügt häufig nicht. Anwendungen und Bibliotheken benötigen bestimmte Verzeichnisse.

Wenn ein Programm nicht startet

Die häufigsten Ursachen lassen sich gezielt eingrenzen:

  • Falsche Plattform: Eine SIBO-, EPOC32- oder spätere Symbian-Version wurde verwechselt.
  • Falsche Ausgabe: Ein für den Windows-Emulator vorgesehenes WINS-Paket wurde statt der Gerätefassung verwendet.
  • Fehlende Abhängigkeit: Das Programm benötigt zusätzliche Bibliotheken, etwa eine OPX-Erweiterung für OPL.
  • Unvollständige Installation: Dateien fehlen oder liegen im falschen Verzeichnis.
  • Speichermangel: Installationsdatei und entpackte Anwendung benötigen zusammen mehr Platz als erwartet.

Installiere zunächst ein einzelnes Programm und teste seine Grundfunktionen. So bleibt nachvollziehbar, welche Änderung einen Fehler verursacht.

Die Stärke von freEPOC liegt in den konkreten Aufgaben, die seine Programme lösen: vCal erschließt alte Kalenderdaten, Macro5 beschleunigt die Bedienung und FLFinger ermöglicht Netzwerkexperimente. Mit der passenden Version und erhaltenen Anleitungen wird aus einem historischen Handheld wieder ein brauchbares Arbeitsgerät.