Freepoc

FLFinger für EPOC: Ping und Finger auf dem Psion nutzen

FLFinger für EPOC: Ping und Finger auf dem Psion nutzen

Ein Psion mit Internetverbindung kann mehr als E-Mails abrufen: Mit FLFinger lässt sich prüfen, ob ein entfernter Rechner antwortet, und ein klassischer Informationsdienst des frühen Internets nutzen. Das kleine EPOC-Programm kombiniert Ping und Finger in einer einfachen Oberfläche. Für Besitzer historischer Handhelds ist es damit sowohl ein Werkzeug zur Fehlersuche als auch ein Zugang zu einem Stück Netzwerkgeschichte.

Was FLFinger auf EPOC leistet

FLFinger gehört zu den klassischen EPOC Netzwerkprogrammen und wurde von Dave Rushall entwickelt. Es war unter anderem über freEPOC erhältlich. Seine beiden Funktionen beantworten unterschiedliche Fragen:

  • Ping: Antwortet der Zielrechner auf eine Netzwerkanfrage, und wie lange dauert die Antwort?
  • Finger: Welche Benutzer- oder Statusinformationen stellt ein Server über seinen Finger-Dienst bereit?

Dazu kommen ein Adressverlauf und die Möglichkeit, Antworten in andere Anwendungen zu übernehmen. Gerade auf einem kleinen Handheld sind diese Funktionen praktisch: Wiederkehrende Ziele müssen nicht ständig neu eingetippt werden, und Ergebnisse lassen sich ohne Abschreiben festhalten.

Psion Internet: Voraussetzungen für die Verbindung

FLFinger stellt selbst keinen Internetzugang bereit. Es benötigt eine funktionierende TCP/IP-Verbindung des EPOC-Geräts. Historisch erfolgte diese beispielsweise über ein externes Modem oder ein geeignetes Mobiltelefon mit Modemfunktion, das über Kabel oder Infrarot verbunden wurde.

Entscheidend ist die vollständige Verbindungskette: Der Psion muss das Modem ansprechen können, der Zugang muss funktionieren, und die Netzwerkeinstellungen müssen zum verwendeten Anschluss passen. Eine bestehende Infrarotverbindung allein bedeutet daher noch keinen Internetzugang.

Einstellungen und Installation prüfen

Vor der ersten Abfrage sollten folgende Punkte geklärt sein:

  • Passt die FLFinger-Version zum Gerät und zur EPOC-Version?
  • Sind die im Softwarepaket genannten Zusatzkomponenten installiert?
  • Sind Modem und Internetzugang in der Systemsteuerung richtig eingerichtet?
  • Funktioniert die Namensauflösung über DNS, wenn Rechnernamen verwendet werden?

Beim ursprünglichen Series 5 kann die nachgerüstete Message Suite für die Internetfunktionen eine Rolle spielen. Die Voraussetzungen sind deshalb nicht für jedes Psion-Modell identisch. Beachten Sie die Anleitung des Geräts und die Hinweise im jeweiligen Programmpaket.

Auch eine Verbindung mit PsiWin zur Dateiübertragung ist noch kein eingerichteter Internetzugang. Für Netzwerkabfragen muss EPOC tatsächlich eine IP-Verbindung nutzen können.

Mit Ping die Erreichbarkeit testen

Ping eignet sich als erster Test, wenn eine Verbindung zwar aufgebaut scheint, ein bestimmtes Ziel aber nicht erreichbar ist. Geben Sie für die Ping-Abfrage einen Rechnernamen oder eine IPv4-Adresse ein. Eine vollständige Webadresse mit https:// und einem Seitenpfad gehört hier nicht hinein.

Ein sinnvoller Ablauf ist:

  1. Stellen Sie die konfigurierte Internetverbindung her.
  2. Öffnen Sie FLFinger und wählen Sie die Ping-Funktion.
  3. Fragen Sie einen Rechner ab, von dem bekannt ist, dass er Ping beantwortet.
  4. Prüfen Sie die Antwort und wiederholen Sie den Versuch bei Bedarf.

Für einen kontrollierten Test eignet sich ein eigener Rechner im erreichbaren Netzwerk besser als ein beliebiger öffentlicher Server.

Was die Antwort tatsächlich aussagt

Eine erfolgreiche Ping-Antwort bestätigt, dass der Zielrechner auf die verwendete Anfrage reagiert. Die Antwortzeit beschreibt die Laufzeit der Anfrage und ihrer Rückantwort. Sie ist keine Messung der Downloadgeschwindigkeit.

Umgekehrt beweist eine ausbleibende Antwort nicht, dass der Rechner ausgeschaltet ist. Firewalls oder der Zielrechner können Ping-Anfragen blockieren, während andere Dienste weiterhin funktionieren.

Antwortet eine bekannte IP-Adresse, der zugehörige Rechnername jedoch nicht, lohnt sich ein Blick auf die DNS-Einstellungen. Prüfen Sie außerdem, ob der Name tatsächlich auf dieselbe Adresse aufgelöst wird.

Finger: Benutzerinformationen aus dem frühen Internet

Der historische Finger-Dienst zur Abfrage von Benutzerinformationen entstand in einer Zeit, in der viele Menschen gemeinsam auf größeren Rechnersystemen arbeiteten. Er konnte anzeigen, wer angemeldet war, wie ein Benutzer hieß und wann zuletzt Aktivität festgestellt wurde.

Je nach Server lieferte Finger außerdem persönliche Mitteilungen aus Dateien wie .plan oder .project. Darüber wurden Arbeitsvorhaben, kurze Nachrichten oder Projektinformationen veröffentlicht. Manche Betreiber nutzten den Dienst auch für allgemeine Meldungen und Angaben zum Betriebsstatus.

Technisch läuft eine klassische Finger-Abfrage über TCP-Port 79. Der Client übermittelt eine kurze Anfrage; der Server antwortet mit lesbarem Text und beendet anschließend die Verbindung.

Eine Finger-Abfrage mit FLFinger durchführen

Für eine personenbezogene Abfrage wird üblicherweise eine Adresse nach dem Muster benutzer@rechner verwendet. Der Benutzername bezeichnet das Konto auf dem abgefragten Rechner.

Die Schreibweise ähnelt einer E-Mail-Adresse. Trotzdem lässt sich nicht jede E-Mail-Adresse sinnvoll mit Finger abfragen: Der angegebene Rechner muss einen erreichbaren Finger-Dienst anbieten und die betreffende Anfrage unterstützen. FLFinger greift dabei nicht auf das E-Mail-Postfach zu.

Wählen Sie die Finger-Funktion, tragen Sie das passende Ziel ein und starten Sie die Anfrage. Welche Angaben erscheinen, entscheidet der Server. Eine Antwort kann ausführliche Benutzerinformationen enthalten, nur eine kurze Statusmeldung liefern oder die Auskunft ausdrücklich verweigern.

Heute sollte man bei einem Server keinen Finger-Dienst voraussetzen. Alte Beispieladressen aus Programmbeschreibungen sind deshalb vor allem historische Hinweise. Für nachvollziehbare Versuche bietet sich ein eigener Testserver an, der gezielt Informationen für Finger-Abfragen bereitstellt.

Adressverlauf und Antworten weiterverwenden

Der Adressverlauf von FLFinger erleichtert wiederholte Abfragen. Bereits verwendete Ziele lassen sich erneut auswählen, statt sie vollständig einzutippen. Das hilft besonders beim Vergleich mehrerer Rechner oder beim erneuten Prüfen einer Verbindung nach einer Einstellungsänderung.

Der Verlauf speichert dabei die verwendeten Adressen; er sollte nicht mit einem Archiv früherer Antworten verwechselt werden.

Antworten können über die Zwischenablage in andere EPOC-Anwendungen übernommen werden. Kopieren Sie die gewünschte Ausgabe und fügen Sie sie beispielsweise in ein Word-Dokument oder eine Notiz ein. Ergänzen Sie das Ziel, Datum, Uhrzeit und die verwendete Verbindung. So lässt sich später erkennen, unter welchen Bedingungen ein Ergebnis entstanden ist.

Wenn Ping funktioniert, Finger aber nicht

Beide Funktionen prüfen unterschiedliche Dinge. Ein Rechner kann auf Ping antworten und gleichzeitig keinen Finger-Dienst anbieten. Eine funktionierende Finger-Abfrage ist wiederum auch dann möglich, wenn Ping blockiert wird.

Bei Problemen hilft daher eine klare Reihenfolge: zuerst die Internetverbindung prüfen, anschließend die Zieladresse und gegebenenfalls DNS kontrollieren, danach den jeweiligen Dienst betrachten. Eine ausdrücklich verweigerte Finger-Auskunft ist bereits eine Antwort des Servers; eine Zeitüberschreitung lässt die Ursache dagegen offen.

Mit einem bekannten Testziel, dem Adressverlauf und kopierten Ergebnissen lässt sich FLFinger so gezielt einsetzen: für einfache Verbindungsprüfungen auf dem Psion und für praktische Experimente mit einem frühen Internetdienst.